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Glaube. Was mich die behinderten Kinder für mein Glaubensleben gelernt haben:

1.Heilung vom Gelähmten
2.Gottes Liebe unbedingt
3.Zeit nehmen
4.Leben als Lobpreis
5.Dreizehnter Mai 2009


1. Heilung vom Gelähmten (Markus 2, 1-12)

In der Heilung vom Gelähmten, ist das erste, das Jesus tut, die Sünden zu vergeben. Jesus hat nicht auf die physische Behinderung geschaut, wie wir  es bei Behinderten tun. Nein, er hat das Wichtigste gesehen und gewusst, wo Heilung am meisten nötig war. In einer Meditation der Gelämtengeschichte  wurde mir plötzlich klar, dass es eigentlich 3 Arten von Behinderungen gibt: physische, geistige und auch geistliche.... Behinderung bedeutet ja, dass man eingeschränkt ist, etwas zu machen,  was man eigentlich wollte. So sind wir ja alle auch behindert, eben geistlich behindert, und sitzen mit den anderen Behinderten im gleichen Boot und brauchen auch Hilfe.  Wir wollen Jesus nachfolgen und trotzdem sündigen wir doch immer wieder. Jesus sieht zuerst diese geistliche Behinderung, die andere Behinderung ist  das kleinere Problem für ihn.
Aus dieser Geschichte wird mir einiges klar:

1. Gott will und kann mit allen Menschen, auch mit Behinderten, eine Beziehung haben.
Selbst mit Schwerst- Mehrfach-Behinderten. Und weil er das will, hat er auch Möglichkeiten zu einer vertikalen Kommunikation, selbst wenn das behinderte Kind zu einer zwischenmenschlichen Kommunikation nicht fähig ist.

2.Auf was schauen wir? Achten wir auf die äusserliche Erscheinung, oder auf das Wichtige: Das Herz, das Heilung braucht?

3. Wenn wir uns für die behinderten Kinder einsetzen mit Hilfsmitteln und Therapie und wenn wir für sie beten und keine offensichtliche Heilung sehen, soll uns das nicht entmutigen: Gott hat andere Prioritäten, und die Heilung ist beim Wichtigsten geschehen. Gott heilt immer noch, in allen drei Behinderungen: Er hat Vollmacht. Natürlich kann und will ich wie die Freunde in der Geschichte auch äussere Heilung erwarten. Aber mein Fokus ist nun korrigiert. Halleluja, dass wir eines Tages alle ohne geistige, körperliche und geistliche Behinderung im Himmel zusammenleben können!!!!


2.Gottes Liebe unbedingt
Nun sind wir uns ja alle klar, dass wir alle behindert sind (falls nicht, lies doch bitte zuerst das Gleichnis vom Gelähmten und meine Gedankenschlüsse.)Wie reagieren Mütter und Väter auf ihre behinderten Kinder? In den Townships sind es ja fast nur Mütter. Deshalb macht es Sinn die Beziehung einer Mutter zu ihrem behinderten Kind und Gottes Beziehung mit uns zu vergleichen.

a)Die Beziehung einer Mutter mit ihrem behindertem Kind: Ich bewundere die Liebe und Geduld die ich bei vielen Müttern sehe, mit denen wir zusammenarbeiten. Ihre Liebe ist nicht abhängig vom Fortschritt des Kindes. Es kann, und muss sich die Liebe nicht erarbeiten. Fortschritte bei behinderten Kindern sind nach menschlichem Ermessen meist sehr klein, manchmal kaum zu sehen. Oft sind Rückschritte mehr realistisch als Fortschritte. Trotzdem geben die Mütter nicht auf, sondern hoffen stets. Auch wenn es dann schiefgeht, verlieren sie die Geduld nicht. In Hoffnung nehmen sie alle Probleme und Schwierigkeiten auf sich und versuchen dem Kind zu helfen. Auch ihre Beziehungen geben sie auf (wenn auch meist ungewollt), sie leben eigentlich nur noch für ihre behinderten Kinder, werden vielmals verstossen oder zumindest gemieden. Einige Mütter teilten mir an unserem Camp mit, dass es das erste Mal sei, dass sie das Township verlassen hätten, seit ihre behinderten Kinder geboren wurden. Wirklich, diese Mütter geben eigentlich ihr ganzes Leben auf, für ihre Kinder. Nichts ist mehr dasselbe wie vor der Geburt ihres Kindes. Es wäre jedoch eine Lüge, nicht zu betonen, dass das Kind der Mutter auch viel Freude macht, einfach als Person, nicht durch das, was es macht, aber dadurch wer es ist. Auch beim Kind stellen wir fest: es lebt in totaler Abhängigkeit von seiner Mutter, vertraut ihr voll und ganz. Es kann die Liebe von der Mutter nicht mit Taten gewinnen.

b)Beziehung von Gott mit uns: Wie ist es doch so ähnlich, aber einfach viel perfekter, weil Gott perfekt ist: Er gibt sich total auf für uns, bis zum Extremsten, dass er für uns gestorben ist. Er liebt uns einfach mit perfekter Liebe, die nicht von unseren Fortschritten abhängig ist. Wie das behinderte Kind, machen wir nicht viele Fortschritte, manchmal eher Rückschritte. Trotzdem hofft Gott immer auf das Beste, gibt uns nie auf. Er ist auch in den schwierigsten Umständen für uns und mit uns, und ist auch traurig, wenn wir wieder fallen. Die Mutter von einem behinderten Kind kann ihr Kind nicht perfekt lieben, und sie wird manchmal lieblos handeln. Aber Gottes Liebe ist viel, viel, viel grösser und perfekt. Wie viel mehr Grund hätten wir doch da, vom behinderten Kind zu lernen und einfach in totaler Abhängigkeit von Gott zu leben und ihm total zu vertrauen. Und wir dürfen auch wissen, dass wir Gott viel Freude machen. Nicht durch das, was wir machen, aber einfach dadurch, wer wir sind. Wir sind seine Kinder! Halleluja.


3.Zeit nehmen
Ich bin eine Person, die gerne effizient und schnell arbeitet und lebt. Mit behinderten Kindern in Afrika zu arbeiten ist für mich ein grosser Kontrast. Wie sehr muss ich mich doch an der Nase nehmen, denn in diesem Punkt stolpere ich immer wieder. Als wir das Camp organisierten, haben wir einen ungefähren Zeitplan gemacht, sehr locker, denn wir haben zwar gedacht, dass alles Zeit braucht, und dass wir die Leute auch nicht mit einem intensiven Programm überfordern wollen. Aber wir haben uns getäuscht: Alles hat hundertmal mehr Zeit gebraucht. Behinderte Kinder brauchen viel, viel Zeit. Das Essen geben kann gut mal 1-2 Stunden dauern usw. usw....
Natürlich kann man versuchen, es schneller zu machen. Aber meist ist das Kind dann gestresst, und vielmals kommen dann die Anfälle, und dann geht sowieso nichts mehr. Behinderte Kinder sind sehr ehrlich: Wenn sie etwas stresst, zeigen sie es mit dem ganzen Körper. So sind sie eigentlich ein guter Spiegel, um zu sehen, wie wir sie behandeln. Mit Liebe und grosser Geduld, oder in Eile, ohne wirklich Zeit für die Person zu nehmen. Ich denke, dass wir viel von ihnen lernen können. Es ist eigentlich nicht nur das Grundbedürfnis von ihnen, sondern von jedem Menschen. Mit Geduld, Zeit, Interesse, Freude und voll und nicht nur nebenbei geliebt und versorgt zu werden. Ich wünsche mir dies ja auch von Gott, und weiss, dass er das auch tut. Jeden Tag und die ganze Zeit.


4. Leben als Lobpreis
Mit behinderten Kindern zu arbeiten, fordert einen natürlich jeden Tag heraus, und die „warum“ - Fragen kommen immer wieder auf. Zur gleichen Zeit wird man sich natürlich auch jeden Tag bewusst, wie man selber privilegiert ist (ich bin selber nicht physisch oder geistig behindert), und das leitet zum Danken und Loben hin (natürlich nur, wenn man das wählt, denn der Mensch ist ja ein undankbares Wesen). Unglaublich dankbar soll uns das machen. Sein Werk ist perfekt. Zwar bin ich ja weit weg von perfekt, und auch geistlich behindert. Wo ist denn da die Grenze, ob Gottes Werk gut ist, und wo wir uns fragen müssen, wieso Gott das so gemacht hat (wie die meisten von uns sich sicher auch fragen, wenn sie einen schwerbehinderten Menschen sehen?!...)? Können wir denn für alle Menschen zB. Psalm 139 in Anspruch nehmen? Speziell Vers 14, wo es heisst: "Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast - das erkenne ich!"
Ich glaube fest, dass dieser Psalm für jeden Menschen in Anspruch genommen werden kann. Obwohl Gott die Menschen nicht als behindert  (geistig, körperlich oder geistlich) vorgesehen hat, ändert das nicht daran, dass Gott ein wunderbares Werk getan hat. Als Kinder Gottes können wir trotz unseren Behinderungen Gott durch unser Leben lobpreisen und ihm Freude machen. Ich glaube auch, dass Gott gewisse Kinder gerade so als behindert und ohne vielleicht überhaupt sprechen zu können, ganz besonders vorgesehen hat, als Zeuge für ihn und als Licht für die Welt, dazusein. Eine Mutter von einem behinderten Kind hat in unserem Camp eine Entscheidung gemacht, Jesus zu folgen. Und schlussendlich war es das Kind, das gebraucht wurde, die Mutter zu Jesus zu führen. Und dies ist sicher nicht der einzige Fall, wo ein behindertes Kind jemand zu Jesus brachte. Ein behindertes Kind kann absolut Zeuge für Jesus sein.

P.S. Je mehr ich mit behinderten Kindern arbeite und auch für sie bete, desto mehr Freude kommt mir auf, wenn ich mit ihnen bin. Ich sehe wirklich die ganz einfache, aber ganz wahre Freude von ihnen ausstrahlen. Ich erlebe die Gnade von Gott, etwas davon mitzubekommen, wie er die Kinder sieht. Was für eine Freude und Liebe er für sie und an ihnen hat!!!! So können wir den Psalm 139 aus vollem Herzen für jedes der behinderten Kinder beten:

Herr, du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe - du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke. Ob ich gehe oder liege - du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir vertraut.  Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mir. Dass du mich so genau kennst - unbegreiflich ist das, zu hoch, ein unergründliches Geheimnis! Wie könnte ich mich dir entziehen; wohin könnte ich fliehen, ohne dass du mich siehst? Stiege ich in den Himmel hinauf - du bist da! Wollte ich mich im Totenreich verbergen - auch dort bist du! Eilte ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder versteckte ich mich im äußersten Westen, wo sie untergeht, dann würdest du auch dort mich führen und nicht mehr loslassen. Wünschte ich mir: "Völlige Dunkelheit soll mich umhüllen, das Licht um mich her soll zur Nacht werden!" - für dich ist auch das Dunkel nicht finster; die Nacht scheint so hell wie der Tag und die Finsternis so strahlend wie das Licht. Du hast mich geschaffen - meinen Körper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast - das erkenne ich! Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen. Als ich gerade erst entstand, hast du mich schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben - noch bevor einer von ihnen begann! Deine Gedanken sind zu schwer für mich, o Gott, es sind so unfassbar viele! Sie sind zahlreicher als der Sand am Meer; wollte ich sie alle zählen, so käme ich doch nie an ein Ende.
(Ps. 139:1-18, Hoffnung für Alle)



5. Dreizehnter Mai 2009
13. Mai 2009
Dies war wahrscheinlich mein traurigster Geburtstag. Am frühen Morgen ist Nkosinati, eines der behinderten Kinder, mit denen wir arbeiten, gestorben. Noch am selben Morgen erfahre ich von seinem Tod. Den ganzen Tag bin ich am Fragen stellen und auch sehr traurig. Ich realisiere, wie fest mir Nkosinati ans Herz gewachsen ist. Ich bin froh, dass ich noch 3 Wochen zuvor ein Camp hatte (unser erstes überhaupt), wo auch Nkosinati und seine Mutter Nombuso teilnahm. Als wir die Kinder vom Camp zurückbrachten, waren wir berührt, wie die zwei von ihrer Familie vermisst worden waren. Alle waren so froh, dass Nkosinati zurück war. Er war wirklich ein geliebtes Kind.
Am 15. Mai ist die Beerdigung. Wir staunen, wie viele Menschen zum Haus von Nkosinati kommen, wo die Beerdigung stattfindet. Die Mutter und Familie sind untröstlich. Als wir am Sarg vorbeigehen, dürfen wir noch einmal dieses wunderschöne Kind sehen. Wir sind so froh, er sieht so friedlich und entspannt aus. Nkosinati ist gerade mal 2 Jahre und ein Paar Monate alt geworden. Wie dankbar bin ich, dass ich ihn und seine Mutter kennenlernen durfte. Nkosinati war schwerstbehindert und war eigentlich nicht in der Lage, irgendetwas selber zu tun. Und trotzdem strahlte er soviel aus, und ich habe ihn einfach lieben gelernt. Wenn man einen Fremden fragen würde, was er in Nkosinati sieht, wäre das nicht viel Positives. Aber die Leute, die ihn kennen, speziell die Mutter, liebten ihn einfach wie er war. Und er war so wunderschön. Ich habe die Ehre, an der Beerdigung ein Paar Worte weiterzugeben.
Seit seinem Tod kommt mir Psalm 126 in den Sinn:
1 Als der HERR die Gefangenen Zions zurückführte, waren wir wie Träumende. 2 Da wurde unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man unter den Nationen: "Der HERR hat Großes an ihnen getan!" 3 Der HERR hat Großes an uns getan: Wir waren fröhlich! 4 Bringe zurück, HERR, unsere Gefangenen, gleich den Bächen im Südland. 5 Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. 6 Er geht weinend hin und trägt den Samen zum Säen. Er kommt heim mit Jubel und trägt seine Garben.
Für die Sklaven in Amerika war dieser Psalm eine grosse Ermutigung. Nkosinati war auch ein Sklave seiner Behinderung. Nun ist Nkosinati befreit von seinem Körper und kann mit Jesus in Freiheit sein. Ich habe zwar keinen Beweis und keine 100%ige Versicherung, dass Nkosinati nun im Himmel ist, aber ich habe eine 100%ige Überzeugung!!! Was wunderbar ist, dass Nkosinati zwar Sklave seiner Behinderung war, aber eine wunderbar liebende Mutter hatte. Gott hat Nkosinati dieser Mutter für 2 Jahre anvertraut und geschenkt. Sie hat das Geschenk in Dankbarkeit angenommen und für ihn so gut gesorgt, wie für sie möglich. Ich bin überzeugt, dass Gott Freude daran hat, und dies nicht vergessen wird. Dies ist ihr wahrer Lobpreis, den sie Gott gegeben hat.
Ein trauriger Tag, weil ein wunderbarer Mensch uns verlassen hat, aber ein wunderbarer freudiger Tag wie Vers 2 ausstrahlt.
Mit Dankbarkeit kann ich auch Psalm 139 im Gedanken an Nkosinati beten, speziell:
...ich preise dich darüber, dass Nkosinati auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht ist. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl.(Vers 14, ELB)
und
...Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben - noch bevor einer von ihnen begann! (Vers 16b, HFA)
Gott hat Nkosinati zu sich genommen, seine Aufgabe hier auf Erde war erfüllt.
Für mich ist der Fakt, dass Nkosinati an meinem Geburtstag starb, wichtig: Er hat uns zwar verlassen, aber am 13.Mai 2009 ist er zu neuem Leben geboren worden, ein Leben, das für immer währt, ein Leben ohne Sklaverei oder Behinderung. Wir zwei teilen also den Geburtstag: Ich bin am 13. Mai zu meinem ersten Leben geboren, Nkosinati am 13. Mai zu seinem zweiten Leben. Wann wird wohl mein zweiter Geburtstag sein? Es kann morgen oder in 3 Jahren oder in 50 Jahren sein. Bin ich bereit? Arbeiten mit schwerbehinderten Kindern macht einem bewusst: Wir leben zuviel mit Fokus auf dieses Leben, und denken nicht an Tod und neues Leben, speziell wenn wir jung und gesund sind. Aber eigentlich sollten wir mit den Leidenden mitfiebern: Das Schönste und Wichtigste kommt noch!

P.S. Meine Trauer ist trotz all diesen guten News nicht vorbei. Ich denke speziell an die Mutter, die ihr einziges Kind verloren hat. Sie hat keinen Ehemann, der für sie sorgt, doch wenigstens eine liebende Mutter, die mit ihr wohnt. Bitte betet doch für Nombuso, dass Gott sie durchträgt und tröstet, und dass sie bei Gott Hilfe sucht. Ich hatte den Wunsch noch irgendetwas für Nkosinati zu tun. So war ich so froh, dass ich noch helfen konnte, seinen Sarg zuzugraben. Was wir doch eigentlich verpassen in der Schweiz, wenn wir das Loch verlassen, und den Friedhofgärtner diese bedeutende Arbeit machen lassen. Für mich war es Trauerarbeit........
Dani


Nkosinati
20.1.2007 - 13.5.2009


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